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Fachtagung Lern-IT und Content

Termin: 19. Dezember 2007
Ort: Düsseldorf
Veranstalter: Medienberatung NRW

Brückenschlag zwischen zwei Welten

Michael Thessel, Leiter des Medienzentrums Rheinland und der Medienberatung NRW

Unter Lern-IT wird jegliche zum Lernen eingesetzte Informations- und Kommunikationstechnik verstanden, also z. B. stationäre Schul-IT, private IT und mobile Geräte für schulische Zwecke in der Hand des Schülers. Unterschieden werden: Lern-IT - Zertifizierungs-IT - Verwaltungs-IT. Zum Leistungsportfolio einer Lern-IT gehören: digitaler Content und Werkzeuge (Infrastruktur, Applikationen). Lern-IT muss einfach funktionieren, "anywhere" und "anytime" verfügbar und finanzierbar sein. Lern-IT NRW ist ein Beitrag zur Qualitätssicherung.
Die Medienberatung NRW und die Lernmittelanbieter stehen seit Jahren in einem erfolgreichen Dialog zur Umsetzung der Kernlehrpläne. Der IT-Einsatz an Schulen ist seit der e-nitiative NRW ein Thema der Medienberatung NRW. Dies betrifft sowohl die Medienkonzeptentwicklung an Schulen als auch die kommunalen Medienentwicklungspläne.
Contentproduktion, Contentdistribution im Verleih und digital (Edmond NRW) sind Tätigkeitsbereiche der Landesmedienzentren in Düsseldorf und Münster. Insofern sind sie sowohl Produzent als auch Distributor.
In den Aktivitäten der Medienberatung zeigte sich immer wieder, dass die Lernmittelhersteller und IT-Dienstleister in getrennten Welten leben. Diese Tagung dient ihrer Vernetzung.



Integration digitalen Contents in Schulen

Prof. Dr. Andreas Breiter, Institut für Informationsmanagment Bremen

Als ein Hindernis für die verstärkte Nutzung digitaler Medien im Unterricht wird von Lehrkräften häufig die schlechte Verfügbarkeit von hochwertigen digitalen Lern- und Lehrmaterialien genannt. Wenn, so eine gängige Argumentation, nur genügend gute Software verfügbar wäre, dann würde sie auch sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden können. Gleichzeitig bemängeln Verlage und Softwarehersteller die fehlende Nutzung ihrer aufwändig erstellten Produkte. Sie seien bislang gar nicht in den Schulen angekommen. Zugleich stellt der heutige Beschaffungsprozess von digitalem Content in den Schulen die IT-Dienstleister aufgrund der fehlenden Standardisierung und des hohen Individualisierungsgrads vor große Herausforderungen. Auf der anderen Seite ließe sich argumentieren, dass durch die Verbreitung des Internet und die nahezu globale Verfügbarkeit von Online-Materialien in Zukunft eigentlich gar keine professionelle Entwicklung von Lernsoftware bzw. didaktisierte Software mehr erforderlich sein wird. Tauschbörsen, Online-Communities und entsprechende Findemaschinen würden bald eine Angebotspalette bereitstellen, die frei zugreifbar sein wird und damit den Kauf überflüssig machen. Es lassen sich vier Integrationsdimensionen identifizieren: pädagogisch (welcher Content für welches Lernarrangement?), technisch (welche Schnittstellen und IT-Services?), rechtlich (Lizenzmodelle und Urheberrechte?) und organisatorisch (wer muss wie im Prozess einbezogen werden?). Dabei handelt es sich insgesamt um ein mehrschichtiges Problem, an dem viele verschiedene Akteure mit unterschiedlichen Rollen und damit verbundenen Interessen beteiligt sind. Am Beispiel der digitalen Lern- und Lehrmaterialien zeigt sich die Friktion im deutschen Schulsystem aufgrund der Teilung in innere und äußere Schulangelegenheiten, die dadurch noch verstärkt wird, dass Schulen zunehmend in die Selbständigkeit "entlassen" und gleichzeitig regionale Bildungslandschaften geschaffen werden. Bereits die Frage nach der Zuständigkeit für digitale Lern- und Lehrmaterialien lässt sich nicht eindeutig beantworten. Es handelt sich um pädagogische Entscheidungen einzelner Lehrkräfte, die gravierende Auswirkungen auf die Budgetverwaltung der Schule, sowie auf die technische Infrastruktur des Schulträgers hat und von der Rahmensetzung des (jeweiligen) Kultusministeriums beeinflusst wird und damit ein pädagogisches Unterstützungssystem erfordert. Somit zieht sich der Geschäftsprozess quer durch organisatorisch bisher klar voneinander getrennte Bereiche. Dies beginnt mit der Suche nach (fach-)spezifischen Produkten in der Schule, der Beschaffungsentscheidung, der Überprüfung ihrer pädagogischen und technischen Eignung, der Verteilung auf die Schulrechner, das Lizenzmanagement und geht bis zur Einbindung in das Betriebs- und Supportkonzept für die IT Infrastruktur.



Dimensionen erfolgreichen Lernens

Wolfgang Vaupel, Geschäftsführer der Medienberatung NRW

Die Qualitätsanalyse NRW - also der "Schul-TüV" - stellt fest, dass in unseren Schulen zu wenig aktiv und selbstständig gelernt wird. Wissensvermittlung steht im Vordergrund, Methoden des Lernens werden dabei zu wenig "gelehrt". Wer etwas be- oder erarbeiten will, muss wissen/lernen wie das geht, braucht dazu geeignete Arbeitsmittel wie Material und Werkzeuge und einen Raum, der die Arbeit erlaubt. Die Lern-Methoden Strukturieren, Recherchieren, Kooperieren, Produzieren und Präsentieren verlangen nach geeigneten Lern-Mitteln und Lern-Räumen. Damit wird aktives und selbstständiges Lernen ermöglicht und unterstützt - und daraus leiten sich die konkreten Anforderungen an lernförderliche Infrastruktur ab: einfache, aber wirksame Werkzeuge, geeignete Marterialien, didaktisierte und nicht-didaktisierte Inhalte - vom eContent bis zu digital erfassten Verweisen auf Bücher, zugänglich in der Schule und von zu Hause. Der Werkzeugkoffer bleibt überschaubar und enthält keine lange Liste von Softwareprodukten. Und die Inhalte sollten modular, vielfältig und variabel nutzbar sein. Wir brauchen Standards im Sinne von Absprachen zu (vernetzten) Lern-Mitteln und (digitalen) Lern-Räumen, um den Schülerinnen und Schülern optimale Bedingungen für das Lernen zu bieten!



Software- und Contentbereitstellung aus Sicht der IT-Dienstleister

Manfred Langguth, Vorsitzender der AKDN IT-Leiterkonferenz

Der kommunale IT-Dienstleister sorgt heute für den reibungslosen technischen Ablauf einer Stadtverwaltung, kümmert sich um die Vernetzung von Schulen, die Bereitstellung von digitaler Medien in Form von Unterrichtssoftware und Lernplattform und bringt innovative Ideen und Konzepte auf dem kommunalen IT-Markt voran.
Die kommunalen IT-Dienstleister in NRW haben sich in einer gemeinsamen Organisation zur "Arbeitsgemeinschaft Kommunaler IT-Dienstleister in Nordrhein-Westfalen" (AKDN) zusammengeschlossen, um in allen übergreifenden Fragen zur Entwicklung der kommunalen IT-Landschaft in NRW enger zusammen zu arbeiten. Die AKDN beteiligt sich an der VITAKO-Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister e.V. und ist eingebunden in die Organisation der Kommunalen Spitzenverbände.
Die IT-Infrastruktur in Schulen ist heute geprägt durch lokale, serverbasierte Netzwerke in Schulen mit proprietären Lösungen, orts- und zeitgebundenen Zugriffen auf schulische Daten und hohem Einrichtungs- und Wartungsaufwand. Ohne Standards mit entsprechenden Einschränkungen kann diese IT-Infrastruktur nicht betrieben werden.
Zukünftig wird von Schule (Lehrer, Schüler) ein orts- und zeitunabhängiger Zugriff auf Bildungsressourcen, ein Angebot zum mobilen und webbasierten Lernen und die Ausweitung des Lernraums Schule in das Internet erwartet. Dies bedeutet für die IT-Infrastruktur in Schulen ein Rückbau der lokalen Netzwerke zugunsten einer rudimentären IT-Infrastruktur (Bereitstellung einer breitbandigen Internet-Anbindung) und die Nutzung von webbasierten und virtualisierten Anwendungen. In den Vordergrund rücken selbst gesteuerte persönliche Lehr- und Lernumgebungen mit Konsequenzen für die Software- und Contentbereitstellung (Content nach Portlet-Prinzip). Entsprechende IT-Umgebungen mit standardisierten Schnittstellen können neue Anwendungen und Inhalte einfacher als bisher zur Verfügung stellen. Diese neue IT-Standards ermöglichen eine umfassende Bereitstellung von Software/Content und heben die bisher erforderlichen Einschränkungen aus der Sicht der kommunalen IT-Dienstleister auf.



Digitaler Content aus Sicht der Verlage

Martin Hüppe, VdS Bildungsmedien, Sprecher des Ausschusses Neue Medien

Das Arbeiten mit digitalem Content hat den Unterricht nicht so erreicht, wie die Bildungsmedienbranche dies noch vor zehn Jahren geglaubt hat. Momentan arbeitet nur ein Fünftel (Umfrage des ISB, München) oder gar nur ein Zehntel (Einschätzung der Schulbuchverlage) der Lehrer "oft" oder "sehr oft" mit digitalem Content im Unterricht. Dabei haben die Verlage ein mittlerweile vielfältiges Angebot zu fast allen Fächern und Schularten im Programm. Dabei hat sich die Hardwareausstattung in den Schulen deutlich verbessert. Dabei ist insgesamt die Hemmschwelle der Beschäftigung mit digitalem Content bei den Lehrerinnen und Lehrern deutlich gesunken. Einen ausschlaggebenden Grund für die unterentwickelte Nachfrage gibt es nicht. Es ist ein Mix aus schulorganisatorischen Rahmenbedingungen, Technostress und Nach-PISA-Reform-Druck in den Schulen sowie die weiterhin viel zu geringen Softwareetats, der den Weg ins "digitale Klassenzimmer" verhindert. Maßnahmen zur Verbesserung sind eine nachhaltige Nachfrageförderung, eine Professionalisierung der IT-Infrastruktur, eine Veränderung der Schulorganisation, ein Ausbau der medienpädagogischen Lehre und Forschung und eine Qualifizierung der Lehrer zum pädagogischen Einsatz von digitalem Content. Die Bildungsmedienbranche hat auf die Situation reagiert und holt die Lehrer mit sog. Hybridprodukten (Buch/Software/Internet) dort ab, wo sie stehen.



Themenworkshops

Geschäfts- und Lizenzmodelle

Welche Lizenzmodelle (Einzel-, Schul-, Landeslizenz) sind zukünftig für Schulen sinnvoll?
Wie sieht eine plattformunabhängige Software aus und welche Schnittstellen sollten standardisiert werden, damit eine plattformübergreifende Nutzung dieser Software möglich wird?
Diese und ähnliche Fragen wurden im Workshop aus verschiedenen Perspektiven unter Einbezug konkreter Beiträge andiskutiert. Detaillierte Informationen befinden sich im Protokoll.


Kunden, Content und Metadaten

Fragen rund um die Erstellung und Distribution von eContent standen im Mittelpunkt der Diskussionen in diesem Workshop. Ausgehend von zwei Vorträgen diskutierten die anwesenden Verlags- und IT-Dienstleistervertreter über den zukünftigen Stellenwert von eLearning und Schulbüchern, über das Optimierungspotenzial der Content-Distribution und die technische Realisierung der Verteilung. Einen besonders großen Rahmen nahm die Diskussion um eine denkbare standardisierte Erstellung von Metadatensätzen ein. Weitere Informationen finden Sie in den nachstehenden Vortrags-Folien und dem Workshop-Protokoll.


Softwareverteilung und technische Schnittstellen

Wie wird Software (Applikationen, Content) verteilt (heute, morgen)? Welche Schnittstellen treten auf und sind wie zu standardisieren? Diese beiden Hauptfragen wurden in dem Workshop aus verschiedenen Perspektiven unter Bezug auf konkrete Beispiele andiskutiert. Zum weiteren Vorgehen wurden zwei Themenbereiche abgesprochen. Detaillierte Informationen finden sich in den gezeigten Folien und im Protokoll.


Seite zuletzt geprüft und aktualisiert: 30.Mai 2020

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