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"Geschichte wird gemacht"

Fachtagung zum kompetenzorientierten Geschichtsunterricht

Termin: 21. Juni 2011
Ort: Sparkassenakademie Münster
Veranstalter: Medienberatung NRW in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW

Begrüßung und Einführung in die Tagung

Wolfgang Vaupel, Geschäftsführer der Medienberatung NRW, setzte in seiner Begrüßung zwei Akzente: er unterstrich die Bedeutung einer produktiven und reflektierten Mediennutzung für das kompetenzorientierte Lernen; und er warb für die Initiative Bildungspartner NRW, die Schulen bei der Kooperation mit außerschulischen Partnern wie Museen und Archiven unterstützt.


Dr. Ulrich Heinemann, Leiter der Abteilung 4 im Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW (Aufgabenbereiche Lehrerfortbildung, Lehrerausbildung, Individuelle Förderung u.a.), hob in seinem Grußwort an die Tagungsteilnehmer die Chancen hervor, die die Kompetenzorientierung für eine demokratische, auf aktive Teilhabe aller Bürger ausgerichtete Geschichts- und Erinnerungskultur bietet.

Impulsvortrag: Historische Kompetenz aufbauen! - Grundlagen eines kompetenzorientierten Geschichtsunterrichts

Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, führte die Tagungsteilnehmer in die Essentials des kompetenzorientierten Geschichtslernens ein. Um nur einige zu nennen: Wissen über die Vergangenheit zu erwerben, ist kein Selbstzweck; Schülerinnen und Schüler sollen vor allem die Kompetenzen erwerben, die nötig sind, um außerhalb der Schule etwas mit diesem Wissen anfangen zu können. Geschichte ist nicht gleichbedeutend mit Vergangenheit. Sie ist immer etwas Konstruiertes, Gemachtes. Im Unterricht muss durchschaubar werden, wie und von wem „Geschichte gemacht" wird und welche Absichten dahinter stecken. Geschichte gibt es immer nur als Erzählung; auch das Erzählen-Können sollte daher gelernt werden. Und Geschichte wird in und mit den Medien „gemacht". Sie wird heute durch Computer und Internet in so starkem Maße geprägt, dass auch ein Lernen mit den längst nicht mehr „neuen" Medien fest im Geschichtsunterricht verankert werden muss.


"Wie Fotos Geschichte erzählen" - Schulung historischer Bildkompetenz mit Fotografien aus dem LWL-Bildarchiv

Jan Telgkamp vom LWL-Medienzentrum zeigte, wie man anhand historischer Fotografien die methodischen Fertigkeiten von Schülerinnen und Schülern fördern kann. Die neuen, kompetenzorientierten Kernlehrpläne im Fach Geschichte legen einen reflektierten, quellenkritischen Umgang mit Bildquellen nahe. Angesichts unserer gegenwärtigen, von Bildern überfluteten Mediengesellschaft kann die Bedeutung des Lernens an und mit Bildern gar nicht überschätzt werden. Im Mittelpunkt der Präsentation standen Vorschläge zur Förderung der Methodenkompetenz bei der Arbeit mit historischen Fotografien im Geschichtsunterricht. Anhand ausgewählter Fotos aus dem Bild-, Film- und Tonarchiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen setzten sich die Teilnehmer zunächst mit den konstruktiven Eigenschaften fotografischer Bildquellen und ihrer Analyse im Unterricht auseinander. Auf der Grundlage eines Entwicklungsrasters wurde anschließend gezeigt, wie ein systematischer, anschlussfähiger Aufbau historischer Bildkompetenzen aussehen kann.


Entwicklung von Methodenkompetenz bei der Arbeit mit Geschichtskarten

Dr. Katja Schlecking, Arbeitsgruppe Federführung Geschichte. Der Umgang mit Geschichtskarten stellt einen wesentlichen Baustein der Methodenkompetenz der Sekundarstufe I dar. Laut des Kernlehrplans sollen hier Fähigkeiten und Fertigkeiten kontinuierlich weiterentwickelt und vertiefend aufgebaut werden, die dann ihre spätere Verwendung in der Oberstufe finden. In einem einführenden Vortrag wurden zunächst Beispiele zur Entwicklung und Förderung dieser Methodenkompetenz anhand herkömmlicher Geschichtskarten und digitaler Angebote vorgestellt, bevor die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer Workshop-Phase dazu aufgefordert waren, über Wege zum gezielten Kompetenzaufbau und Möglichkeiten der Leistungsdiagnose sowie der (Selbst-) Evaluation zu beraten.

Entwicklung von Texterschließungskompetenz mithilfe von Lernplattformen

Klaus Fieberg, Arbeitsgruppe Federführung Geschichte. Ob Wikipedia, documentArchiv.de, die Website des Deutschen Historischen Museums oder German History Docs – eine kaum zu überblickende Vielfalt von Angeboten im World Wide Web hat neue Chancen für die Umsetzung motivierender, kreativer und selbstgesteuerter Lernprozesse im Geschichtsunterricht eröffnet. Die Risiken, die sich mit webbasierten Ressourcen verbinden, liegen jedoch auf der Hand: wer seine Schülerinnen und Schüler schon einmal mit einem Rechercheauftrag „ins Netz" geschickt hat, weiß, dass das Angebot sachdienlicher Suchergebnisse oft in einer endlosen Masse unbrauchbarer, zudem politisch fragwürdiger Webadressen untergeht. Einerseits die Potenziale des Internet für das selbständige Lernen nutzen zu wollen, andererseits aber die fachliche Angemessenheit der verfügbaren Angebote nicht gewährleisten zu können, ist ein Dilemma, dem man als Unterrichtender z.B. mithilfe von Lernplattformen entkommen kann. Die Präsentation zeigte am Beispiel der sehr verbreiteten Plattformlösung MOODLE, was eine Lernplattform ist und für welche unterrichtlichen Lernangebote sie sich eignet. In einem zweiten Schritt wurde – unter Beteiligung von Schülern – gezeigt, wie damit fachlich, d.h. historisch gelernt und gearbeitet werden kann.

Strategien für die Entwicklung von kompetenzorientierten Hauscurricula

Reinhild Arndt, Christian Geyer, Netzwerkgruppe G8. Die Präsentation stellte an Hand dreier unterschiedlicher Varianten – zwei davon in der Phase der Praxiserprobung und eines als alternatives, „radikaleres" Denkmodell – konkrete Umsetzungsmöglichkeiten der obligatorischen Vorgaben des KLP Geschichte vor. Dabei ging es zunächst um die entsprechenden Prämissen, hausinternen Verbindlichkeiten und Grundsatzentscheidungen, denen die jeweilige Gestaltung dieser Modelle unterliegt, sowie um die Konsequenzen, d.h. die Vor- und Nachteile der Beispiele im Allgemeinen bzw. für die Unterrichtenden. Des Weiteren wurden die daraus resultierenden Produkte exemplarisch vorgestellt und die nachfolgenden Aufgaben der Fachkonferenzen umrissen. Eine abschließende Aussprache beinhaltete ein Feedback zu den dargestellten Modellen und regte zu einem praxisbezogenen Erfahrungsaustausch an.

Aufbau einer methodischen Kompetenz: Bildinterpretation

Marius Heße, Dr. Andreas Müller, Katrin Stemper, Netzwerkgruppe G8. Das Kernanliegen des Workshops bestand darin, beispielhaft eine Möglichkeit für den jahrgangsstufenübergreifenden spiralförmigen Aufbau der im Kernlehrplan entfalteten Kompetenzen zur „Bildinterpretation" aufzuzeigen und weiterzuentwickeln. Hierzu wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops zunächst ein Schema zur Bildinterpretation präsentiert, welches als Hilfestellung zur Erreichung der im Kernlehrplan angeführten Methodenkompetenzen für die Stufen 5/6 und 8/9 entwickelt wurde. Danach wurden anhand von drei Unterrichtsentwürfen aus unterschiedlichen Inhaltsfeldern Beispiele für dessen Anwendung aufgezeigt und erläutert. Ausgehend davon erprobten und diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem praxisbezogenen Teil die Anwendbarkeit des Schemas bei der Planung und Durchführung kompetenzorientierten Geschichtsunterrichts.

Aufbau von Urteilskompetenz

Frank Hoffmann, Netzwerkgruppe G8. Einleitender Impulsvortrag: Im Mittelpunkt der Präsentation standen geschichtsdidaktische Überlegungen zur Planung von Geschichtsunterricht mit dem Ziel der Förderung von historischer Urteilskompetenz. Der Referent stellte die Planung einer exemplarischen Unterrichtseinheit zur Förderung von Werturteilskompetenz vor. In Kleingruppen arbeiteten die Teilnehmer anschließend an der Planung eigener Unterrichtseinheiten mit dem Ziel der Förderung von historischer Werturteilskompetenz.

Entfaltung der Ankersequenz im Inhaltsfeld 12: "Was Menschen früher voneinander wussten und heute voneinander wissen"

Prof. Dr. Bärbel Kuhn, Klaus-Michael Guse, Netzwerkgruppe G8. Die beiden Referenten zeigten vor dem Hintergrund neuerer Forschungsansätze in der Geschichtswissenschaft Wege auf, wie die neuen Inhaltsfelder der kompetenzorientierten Lehrpläne („Was Menschen früher voneinander wussten und heute voneinander wissen") ausgefüllt werden können. Zwar haben auch schon zahlreiche Schulbuchverlage auf die neuen Herausforderungen reagiert, doch zumeist bieten sie Informationen und Quellen nur zu dem im Lehrplan vorgeschlagenen Schwerpunkt „Reisen früher und heute" an. Menschen wussten jedoch auch über andere Wege voneinander und bildeten sich ihre Bilder von sich selbst und von den Anderen auch über andere Formen des Austauschs und der Begegnungen. Zunächst wurden allgemein die verschiedenen Möglichkeiten aufgezeigt, ehe im zweiten Teil konkret eine Unterrichtssequenz vorgestellt wurde.

Die Sequenz „Stereotype, Konflikte, Vernichtung. Polenbilder der Deutschen" befasst sich mit dem Polenbild der Deutschen zwischen 1919 und 1945, zeigt aber auch das Deutschlandbild der Polen.

Die Sequenz „Fremdbilder von Migranten im historischen Vergleich" verglich Bilder von Migranten in unterschiedlichen Epochen miteinander. Dabei traten Deutsche sowohl als Migranten (im 19. Jahrhundert) als auch als Aufnehmende („Gastarbeiter" in den 60er Jahren) in Erscheinung.

Kompetenzorientierte Reihenplanung zum Inhaltsfeld 2: "Antike Lebenswelten: ... Imperium Romanum"

Reinhild Arndt, Marius Heße, Dr. Andreas Müller, Katrin Stemper, Netzwerkgruppe G8. Im Mittelpunkt des Workshops stand die Auseinandersetzung mit den spezifischen Herausforderungen und Chancen, denen sich Lehrkräfte bei der Konzeption von Unterricht gegenübersehen, der in den Jahrgangstufen 5 und 6 anhand der Geschichte antiker Kulturen den Aufbau historischer Kompetenzen unterstützen soll. Hierzu wurden zunächst elementare Planungsüberlegungen aufgezeigt, danach erläuterten die Referenten einen vollständiger Reihenentwurf. Ausgehend hiervon entwickelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem praxisbezogenen Veranstaltungsteil Ideen und mögliche Konkretisierungen für weitere kompetenzorientierte Unterrichtsreihen zum Inhaltsfeld 2.

Kompetenzorientierte Reihenplanung zum Inhaltsfeld 10: "Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg"

Christian Geyer, Frank Hoffmann, Netzwerkgruppe G8. Ein einleitender Vortrag der Referenten stellte kompetenz- und inhaltsorientierte Planungsüberlegungen vor, die einer exemplarischen Reihenplanung zum Inhaltsfeld 10 zu Grunde lagen. Anschließend wurde dessen unterrichtspraktische Umsetzung präsentiert. Darüber hinaus wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem Diagnose-Instruments zum Kompetenzschwerpunkt Perspektivenerfassung und Perspektivenwechsel bekannt gemacht. In Kleingruppen wurde schließlich an der Planung möglicher Unterrichtssequenzen, Unterrichtseinheiten oder Diagnoseinstrumente zum Inhaltsfeld 10 gearbeitet.

"Aus Archivalien Geschichte(n) machen" - Re- und de-konstruierendes Geschichtslernen in Archiven

Roswitha Link, Stadtarchiv Münster. Archivische Quellen in ihrer großen Vielfalt bieten eine hervorragende Grundlage für das Erlernen von Kompetenzen, die erforderlich sind zur Re-Konstruktion vergangener Ereignisse, Entwicklungen und Strukturen und zur De-Konstruktion historischer Narrationen. Originale Dokumente wie z.B. Akten, Urkunden, Protokolle, Chroniken, Fotos, Plakate usw. in Archiven stellen für die Bearbeitung zwar eine besondere Herausforderung dar, bieten aber auf der anderen Seite auch Lernchancen, die nur an diesem außerschulischen Lernort möglich sind. Neben regulären Unterrichtseinheiten kommen vor allem Projektkurse, Geschichtswettbewerbe und Referate für die archivische Quellenarbeit in Frage.

Nach einer kurzen Einführung in das Angebot des Stadtarchivs Münster stehen praktische Übungen mit Archivalien aus unterschiedlichen Zeitabschnitten im Mittelpunkt des Workshops. Ziel war es, anhand der Quellen konkrete Beispiele für kompetenzorientiertes Lernen im Geschichtsunterricht zu erarbeiten. Dabei wurden die vielfältigen Möglichkeiten ebenso in den Blick genommen wie die Schwierigkeiten und Grenzen der Archivarbeit mit Schülerinnen und Schülern.

"Deine Geschichte" - Förderung historischer Handlungskompetenz durch audiovisuelle Produktion von Zeitzeugeninterviews

Alexander Lahl und Johannes Girke von der Kooperative Berlin luden ihre Workshopteilnehmer zur Erprobung audio-visueller Medien für Zwecke des kompetenzorientierten Geschichtslernens ein. Die Lehrerinnen und Lehrer lernten am „lebenden Subjekt", wie man mit digitalen Camcordern Interviews mit Zeitzeugen aufzeichnet. Kameraleute, Interviewpartner und Zeitzeugen waren sie selbst, so dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sämtliche Herausforderungen zu meistern hatten, die die Produktion von Zeitzeugeninterviews an Lehrende und Lernende stellt. Das Ergebnis des Workshops „Deine Geschichte" waren sehenswerte Filmdokumente, in denen die Interviewten aus ihren Erinnerungen an den Fall der Berliner Mauer erzählten.

"Historisches Lernen mit den audiovisuellen Lernangeboten von EDMOND NRW"

Marc Albrecht-Hermanns, Bertha-von-Suttner-Gesamtschule Dormagen. Mit Hilfe dieses Workshops lernten die Teilnehmer den Online-Medienservice der nordrhein-westfälischen Landesmedienzentren kennen. Dabei wurden sie mit der Online-Suche und den verschiedenen verfügbaren Medienformaten vertraut gemacht, lernten, wie man die Medien auf den eigenen Computer lädt bzw. für den DVD-Player nutzbar macht. Außerdem wurde gezeigt, wie man mit einfachen Programmen die Medien für beliebige andere Kontexte (z.B. auf Lernplattformen oder auf Smartphones) konvertieren und damit nutzen kann. Schließlich eigneten sich die Teilnehmer Basiswissen über die multimedialen Möglichkeiten der Lernplattform Moodle an und lernten, wie Sie ihren Schülerinnen und Schülern ausgewählte Medien zielgerichtet zur Verfügung stellen können.

"Fernsehen macht Geschichte!" - Dekonstruktion historischer Narrative am Beispiel der ARD-Reihe "60 x Deutschland"

Prof. Dr. Saskia Handro, Uni Münster. Das Fernsehen prägt mit seiner tagesaktuellen Berichterstattung nicht nur unsere Wahrnehmung gesellschaftlicher Wirklichkeit, sondern etabliert sich gerade im Feld der Zeitgeschichte als Faktor gesellschaftlicher Erinnerung. Einsichten in die medienspezifischen Inszenierungs- und Popularisierungsstrategien fernsehgerechter Geschichten bilden somit für Schülerinnen und Schüler eine zentrale Voraussetzung für einen reflektierten Umgang mit Geschichte in einer auf Visualisierung setzenden Mediengesellschaft. Am Beispiel der von der Bundeszentrale für politische Bildung vertriebenen ARD-Sendereihe „60 x Deutschland" wurden im Rahmen des Workshops inhaltliche und methodische Zugänge zur Film- und Fernsehanalyse nicht nur vorgestellt, sondern ebenso erprobt und problematisiert. Gleichzeitig verstand sich der Workshop als Werkstattgespräch, in dessen Rahmen die Konzeption einer didaktischen Begleit-CD zur Sendereihe zur Diskussion gestellt wurde.


Seite zuletzt geprüft und aktualisiert: 23.Januar 2020

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